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Zurück zum SolarlexikonPV-Technik14. August 20263 Min. Lesezeit

Ersatzstrom: Was passiert, wenn der Strom ausfällt?

Der häufigste Irrtum beim Thema Speicher. Wir erklären, warum sich eine PV-Anlage bei Netzausfall abschaltet, was ein Backup-Interface macht und für wen sich der Aufpreis lohnt.

KPKarsten PaulGeschäftsführung · 640 Wörter
Technikraum mit Hybrid-Wechselrichter, Speicher und Zählerschrank. Hier entscheidet sich, ob eine Anlage notstromfähig ist

Es ist die Frage, die beim Vor-Ort-Termin fast immer kommt: „Wenn der Strom weg ist, läuft mein Haus dann über den Speicher weiter?" Die ehrliche Antwort lautet: erst mal nicht. Eine normale PV-Anlage mit Speicher schaltet sich bei einem Netzausfall ab, auch wenn die Batterie randvoll ist. Wer Ersatzstrom will, muss das vorher mitplanen.

1 · Der häufigste Irrtum

Speicher im Keller, Sonne auf dem Dach, Netz weg, und das Haus bleibt dunkel. Das überrascht fast jeden, der zum ersten Mal davon hört. Genau hier unterscheiden sich Anlagen, die auf dem Papier gleich aussehen: Im Angebot steht „10 kWh Speicher", aber ob dieser Speicher bei einem Stromausfall überhaupt etwas tun darf, hängt an einem ganz anderen Bauteil.

2 · Warum sich die Anlage abschaltet

Der Grund ist Personenschutz. Wenn im Ortsnetz eine Störung vorliegt, arbeiten dort Menschen an Leitungen, die als spannungsfrei gelten. Würde jede PV-Anlage munter weiter ins Netz einspeisen, stünden diese Leitungen unter Spannung, lebensgefährlich für die Monteure. Deshalb schreibt die Netzanschlussregel vor, dass sich jeder Wechselrichter bei Netzausfall innerhalb von Sekundenbruchteilen abschaltet. Das ist keine Schikane und auch kein Defekt, sondern die Grundlage dafür, dass überhaupt jemand eine PV-Anlage ans Netz lassen darf.

3 · Was das Backup-Interface macht

Ersatzstrom funktioniert nur, wenn sich das Haus sauber vom öffentlichen Netz trennen lässt. Genau das erledigt ein zusätzliches Gerät, das zwischen Zähler und Hausverteilung sitzt: das Backup-Interface. Fällt das Netz aus, kappt es die Verbindung nach draußen und baut im Haus ein eigenes kleines Inselnetz auf. Erst dann darf der Wechselrichter wieder anfahren, und erst dann kann der Speicher liefern.

  • Das Interface ist ein eigenes Gerät und kostet extra. Der Aufpreis ist überschaubar, wir nennen ihn Ihnen im Angebot
  • Es muss zum Wechselrichter passen: beim dreiphasigen SolarEdge-System das dreiphasige Backup-Interface
  • Die Umschaltung dauert einen kurzen Moment. Licht und Kühlschrank merken das nicht, ein laufender Computer kann dabei kurz ausgehen
  • Nachrüsten ist möglich, ist aber teurer als gleich mitplanen, weil der Zählerschrank noch einmal angefasst wird

4 · Wie lange reicht der Speicher?

Das hängt daran, was Sie im Ernstfall laufen lassen. Kühlschrank, Gefriertruhe, Licht, Router und die Heizungspumpe kommen zusammen auf grob 200 bis 400 Watt Dauerlast. Ein 10-kWh-Speicher trägt damit rechnerisch einen Tag und mehr. Wer zusätzlich Herd, Wärmepumpe oder Wallbox betreiben will, ist in einer anderen Größenordnung: dann zählt nicht nur die Kapazität, sondern auch, wie viel Leistung das System gleichzeitig abgeben kann.

Der oft übersehene Punkt: Scheint die Sonne, lädt die Anlage den Speicher im Inselbetrieb wieder nach. Ein mehrtägiger Ausfall im Sommer ist damit anders zu bewerten als eine Winternacht.

5 · Für wen sich das lohnt

Berlin und Brandenburg haben ein stabiles Netz. Ersatzstrom ist hier selten eine Frage der Versorgungssicherheit. Es lohnt sich trotzdem für drei Gruppen: Häuser mit Wärmepumpe, bei denen ein längerer Ausfall im Winter unangenehm wird; Haushalte mit medizinischen Geräten; und alle, die ein Homeoffice betreiben, das nicht stillstehen darf. Wer keine dieser Situationen hat, kann den Aufpreis auch in mehr Speicherkapazität stecken. Das bringt jeden einzelnen Tag Ertrag statt einmal alle paar Jahre.

Unsere Linie dabei: Wir verkaufen niemandem Notstrom, nur weil es sich gut anhört. Die Frage beim Vor-Ort-Termin ist immer dieselbe: Was in Ihrem Haus darf wirklich nicht ausfallen? Wenn darauf keine klare Antwort kommt, lassen wir es.

6 · Fazit

Ersatzstrom ist keine Eigenschaft des Speichers, sondern eine Entscheidung bei der Planung. Sie kostet einen überschaubaren Aufpreis und ein zusätzliches Gerät im Zählerschrank. Den Aufpreis nennen wir Ihnen im Angebot. Wichtig ist nur, dass Sie die Frage vor der Montage stellen und nicht danach. Wir sprechen sie beim Vor-Ort-Termin von uns aus an und sagen auch, wenn wir sie in Ihrem Fall für verzichtbar halten. Wie die Notstrom-Option in unserem Angebot auftaucht, sehen Sie auf der Seite Stromspeicher.

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